China-Sammlung

Koxinga, Cheng Sen 1623 – 1662

Als Mittelpunkt der von Günther Winkler gestifteten Sammlung von Gegenständen des chinesischen Kunsthandwerks, finden wir das Portrait des Koxinga, auch Chen Cheng-kung genannt.
Koxinga kam im Jahr 1623 in Japan zur Welt und starb im Jahr 1662 in Taiwan. Im Alter von neunzehn Jahren wurde er von seinem Vater als Unterpfand an den Hof des Ming-Kaisers Lung Wu in Nanking gebracht. Dort wurde er Schüler des berühmten Gelehrten Ch'ien Ch'ien-i. Der Kaiser adoptierte ihn und verlieh ihm den Ehrennamen Kuo Hsing Yeh (der Herr mit dem kaiserlichen Familiennamen). Dieser Name wurde von den Holländern als Koxinga übersetzt. Kaiser Lung Wu verlieh Cheng Sen auch den Ehrennamen Ch'eng­kung („Große Errungenschaft") und den Titel Chung Hsiao Po (Graf der Loyalität und der Sohnespietät).
Koxinga wurde in jungen Jahren General und führte die Streitkräfte des Ming Kaisers gegen die anrückende Armee der Ching-Dynastie. Yung Li, der letzte Kaiser der Ming Dynastie, verlieh ihm die Titel Wei Yuan Hou (Herr von Wei Yuan) und Yen P'ing Wang (Fürst des Friedens).

Das Porträt des Koxinga, auch Chen Cheng-kung

Die Armee des Koxinga wurde von den Truppen der Ching-Dynastie vom Festland auf die Pescadores Inseln abgedrängt. Von dort aus eroberte er als Admiral einer großen Flotte im März 1661 das holländische Fort Zeelandia auf Formosa (Taiwan), in der Nähe von Tainan. In Formosa (Taiwan) schuf er eine Landreform und organisierte eine moderne Verwaltung. Am 23. Juni 1662 starb er im Alter von 39 Jahren an einer mysteriösen Krankheit. Kurz vor seinem Tod erreichte ihn die Nachricht vom Ableben des Kaisers Yung Li. Das war das Ende der Ming Dynastie.

Das Porträt des Koxinga stammt aus dem Schloss Ortenburg. Es wurde im Jahr 1858 von Gustav Ritter v. Gröller in China erworben, als dieser als Erster Offizier auf der k. u. k. Segelfregatte Novara von 1857 - 1859 an einer Weltreise teilnahm. Im Jahr 1873 kaufte Gröller das auf dem Mauerwerk der unteren Ortenburg (Unterhaus) errichtete ehemalige Hieronymitaner Kloster, erneuerte dieses baulich und machte es mit dem Namen „Schloss Ortenburg" zu seinem Wohnsitz. Seine Tochter Franziska erbte das Schloss Ortenburg und mit diesem auch das Porträt des Koxinga. Sie war mit Lambrecht (Lamberto) Freiherr Alber v. Glanstaetten verheiratet. Andrico (Andreas), der fünfte Sohn des Lambrecht und der Franziska, schenkte das Porträt des Koxinga seinem Patenkind Günther Winkler, als dieser im Schloss Ortenburg wohnte.

Grundsätze der Aufstellung

Die historische Herkunft der Gegenstände

Die Gegenstände sind nach historischen Gesichtspunkten in zwei Teilen aufgestellt:

  • Das Altertum und die Antike Chinas von 3500 v. Chr. bis 1300 n. Chr.
  • Die Neuzeit Chinas von 1300 bis 2000 n. Chr.

innerhalb dieser zwei großen Zeiträume sind die einzelnen Gegenstände nach Jahrhunderten, nach den Dynastien und nach der Zeit der Herrschaft der Kaiser geordnet. Die Gegenstände des Antiken China sind im Turmbereich, die Gegenstände des China der Neuzeit sind in den übrigen Räumen und in den Gängen aufgestellt. Vergoldete Holzschnitzereien (Drache und Phönix), Bildrollen und Schriftrollen (Kalligraphien) schmücken der Gänge. Die histori­sche Herkunft der Gegenstände ist für den Fachkundigen nach dem Aussehen der einzelnen Gegenstände bestimmbar. Bodenmarken der Kaiser und Dynastien mir den Regierungszeiten sind genauere historische Wegweiser.

Das Material

Innerhalb der historischen Ordnung sind die Gegenstände in den einzelnen Räumen nach dem Material ausgestellt: Bronze religiös (Buddha-Figuren), Holz religiös, Holz profan, Bronze profan, Jade, Elfenbein und Bergkristall, kaiserliche Amtskleider, Email, Porzellan bunt, weiß und schwarz, blau-weiß, einfärbig grün, rot, blau und gelb.

Die Gegenstände im großen Turmzimmer mit dem antiken China sind gleichfalls nach dem Material und historisch gruppiert: Jade, Ton, Bronze, Terrakotta, Porzellan und Seladon.

Großer Jadeberg grau (Ming-Dynastie)

Die Ästhetik der Sammlung

Symmetrie, Proportionen, Gleichartigkeit, Kontraste und Harmonien sind vorherrschende Kriterien für die Aufstellung der Gegenstände. Sie machen die Vielfalt zur Einheit.

Die Raumarchitektur

Die Innenarchitektur der Räume und Gänge ist von typisierten Formen der Vitrinen und Sockel geprägt. Zwei Arten von transparenten Vitrinen (schmal und breit) und mehrere Typen von weiß gestrichenen Sockeln in unterschiedlicher Höhe und Größe geben der Vielfalt von Gegenständen, von Formen, Farben und Materialien, Struktur und Charakter. Dieses geschlossene Erscheinungsbild wird durch eine einheitliche Lichtanlage verstärkt.

Westlicher Eckraum - blau-weißes Porzellan - 14. bis 20. Jdt. n. Chr.

Drei Buddha-Statuen der Guan-Yin (Sung-Dynastie um 1000 n.Chr.)

Thematische Schwerpunkte

Die Aufstellung der Gegenstände nach ihrem Material und nach ihrem historischen Ursprung ist durch drei Schwerpunkte symbolisch charakterisiert:

  1. Auf den Spuren des Koxinga in China und Taiwan
  2. Der Konfuzianismus und der Buddhismus
  3. Der goldene Drache mit fünf Klauen, der aus dem Meer aufsteigt und in den Wolken schwebt. Er war das Herrschaftssymbol des Kaisers als Sohn des Himmels.

Aufstellungsordnung

  1. Das antike China im großen Raum am Turm, Jade und Bronze, vom Ton zum Terrakotta und zum Porzellan
  2. Porzellan bunt und blau-weiß
  3. Porzellan blau-weiß
  4. Porzellan weiß und schwarz-gold
  5. Porzellan bunt bemalt
  6. Kleiner Emailraum, Neuzeit
  7. Mittlerer Emailraum, Ching-Dynastie
  8. Großer Emailraum Ming und Ching Dynastie
  9. Kaiserliche Gewandkammer
  10. Mittelteil des langen Ganges
  11. Kleiner Kaiserraum, Kang-hsi und Chien-lung
  12. Großer Kaiserraum, Kang-hsi und Chien-lung
  13. Jade, Elfenbein, Bergkristall, Ching-Dynastie
  14. Bronze, Ming-Dynastie und Ching-Dynastie
  15. Holz profan, Ming-Dynastie und Ching-Dynastie
  16. Holz religiös, Sung-Dynastie und Ching-Dynastie
  17. Buddha-Raum, Ming-Dynastie und Ching-Dynastie
  18. Nördlicher Gang am Stiegenhaus
  19. Stiegenhaus Kang-Hsi
  20. Eingang bis zum Stiegenaufgang
  21. Bibliotheksgang
  22. Bibliothek
  23. Gröller-Raum
Orientierungsplan der China-Sammlung